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FREITAG 28.05. 20.00–22.30 UHR
SAMSTAG 29.05. 13.00–22.00 UHR
Ein Filmwochenende zusammengestellt von Katrin Mundt

FREE FALLING

Im Rahmen von ATELIERS und Sonderveranstaltungen waren immer wieder auch Filme und Videoarbeiten bei PACT Zollverein zu sehen. Mit ›FREE FALLING‹ beginnt nun eine Reihe, die sich ausschließlich dem bewegten Bild widmet. Das erste Wochenende präsentiert längere und kürzere Werke international renommierter Filmemacher und Künstler.

Die experimentellen und dokumentarischen Arbeiten kommentieren mit einfühlsamem oder exzentrischem, ironischem oder kritischem Blick grundlegende Fragen des Films, seiner Sprachen und Wirkungen. Sie untersuchen die Rollen, welche Akteure und Zuschauer bewusst oder unbewusst in ihnen spielen und erproben neue Formen der Wahrnehmung und Partizipation. Ihre formalen Experimente eröffnen schließlich neue Perspektiven auf Gesellschaften und Identitäten im Übergang.

An jedem der beiden Tage wird jeweils ein langer Klassiker des unabhängigen Films im Zentrum stehen, begleitet von insgesamt etwa zwanzig zumeist kürzeren Arbeiten. Neben Wiederaufführungen von Legenden des Experimentalfilms sind auch neue Arbeiten zu sehen, darunter zwei Deutsche Erstaufführungen und eine Europapremiere.

Freitag, 28. Mai 2010

20 Uhr Filmprogramm

William Greaves: Symbiopsychotaxiplasm. Take One
(USA 1968, 75 Min.)
William Greaves‘ ›Symbiopsychotaxiplasm. Take One‹, ein Klassiker des unabhängigen Black Cinema, dokumentiert den Prozess seiner eigenen Entstehung. Was wie der Dreh eines Beziehungsdramas im New Yorker Central Park beginnt, entpuppt sich als Filmexperiment, das die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, auktorialem Wort und freier Improvisation, Zuschauern und Mitwirkenden, radikal in Frage stellt: Ein freier Fall im Raum, wie Greaves in seinen Anmerkungen zum Film schreibt. Mit einem Soundtrack von Miles Davis.

21.30 Uhr Filmprogramm

Laure Prouvost: Monolog
(GB 2009, 9 Min.)
Laure Prouvost spielt mit der Nähe und Distanz zu ihren Zuschauern: Notwendig einseitig und doch vertraut im Ton, lässt ihr ›Monolog‹ einen fiktiven Raum der Gemeinsamkeit zwischen der Künstlerin und ihrem Publikum entstehen.

Joyce Wieland & Hollis Frampton: A and B in Ontario
(CAN 1967/1984, 16 Min.)
In Wielands und Framptons kurzem Experimentalfilm wird die Kamera zu einem erweiterten Sinnesorgan, durch das die Filmemacher miteinander in einen Dialog der Blicke und Bewegungen treten.

Peggy Ahwesh: Beirut Outtakes
(USA 2007, 7’30" Min.)
Ahwesh montiert gefundene Filmfragmente aus einem verlassenen Kino in Beirut zu einem schillernden Panorama fernöstlicher Alltagskultur, in dem High und Low, Western und Werbefilm, Tagespolitik und Liebesdrama ungehemmt aufeinanderprallen.

Christine Noll Brinckmann: Die Urszene
(BRD 1981, 6 Min.)
Noll Brinckmann präsentiert eine kurze filmische Betrachtung über die Indiskretion des Schauens, über phantasierte Urszenen und die stilistische Vielfalt der Schlafzimmer im Frankfurter Raum.

Sharon Lockhart: Khalil, Shaun, A Woman Under the Influence
(USA 1994, 16 Min.)
In ihrem Debütfilm untersucht Lockhart die Maske als Element der filmischen Illusion. Nüchtern wird zunächst die Entstehung von Special Effect-Makeup an zwei Jungen vorgeführt. In einer kurzen dramatischen Sequenz, angelehnt an John Cassavetes’ ›A Woman under the Influence‹ (1974), offenbart es schließlich die Abgründigkeit des Normalen.

Samstag, 29. Mai 2010

13 Uhr Filmprogramm

Pilvi Takala: Real Snow White
(F 2009, 10 Min.)
Die Künstlerin versucht, sich als Schneewittchen verkleidet Zugang zu Disneyland Paris zu verschaffen. Ihre Intervention setzt ein Verwirrspiel um falsche Identitäten, authentische Fiktionen und unerwünschte Täuschungen in Gang.

Jim Trainor: The Magic Kingdom
(USA 2002, 8 Min., Europapremiere)
Im grünlichblauen Licht eines künstlichen Regenwalds, vor idyllischen Panoramen aus Felsen, Buchten und umgestürzten Baumriesen beobachten wir das befremdliche Verhalten unserer engsten Verwandten – und uns selbst in ihrem Spiegel.

Clemens von Wedemeyer: Otjesd
(D 2005, 15 Min.)
In ›Otjesd‹ folgen wir einer jungen Frau an einen Ort, an dem Bürokratie und Poesie, Ohnmacht und Subversion unerwartete Verbindungen eingehen. Clemens von Wedemeyer ließ hierfür Szenen, die sich vor dem deutschen Konsulat in Moskau ereigneten, mit russischen Einwanderern in Berlin nachspielen. Im Anschluß: ›Making of Otjesd‹, Clemens von Wedemeyer (D 2005, 10 Min.).

Julika Rudelius: Adrift
(NL 2008, 5 Min.)
Eine Gruppe Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters befindet sich in einem nicht näher definierten Raum. Was sie zu verbinden scheint, ist allein der gleichbleibende Rhythmus ihrer wiegenden Bewegungen zu einem unbestimmten Klang, deren Ursache im Dunklen bleibt.

Cynthia Beatt: Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl
BRD 1983, 25 Min.)
Das Gespalten sein zwischen Kulturen und Identitäten steht auch in Cynthia Beatts Filmessay im Mittelpunkt. Im Dialog mit Heinz Emigholz reflektiert sie ihren Alltag als Fremde im geteilten Berlin, die historischen Narben der Stadt und die gespannte Atmosphäre der 1980er Jahre.

15 Uhr Filmprogramm

Kevin J. Everson (anwesend): American Motor Company
(USA 2009, 5 Min.)
Kevin J. Eversons Filme zeichnen in einer Mischung aus dokumentarischen und erzählerischen Verfahren Porträts der US-amerikanischen Black Community. ›American Motor Company‹ zeigt zwei Arbeiter bei der Montage einer fiktiven Plakatwerbung am Rande einer Autobahn.

Stefan Hayn: Ein Film über den Arbeiter
(D 1997, 18 Min.)
Entstanden als Auftragsarbeit zum Thema ›Der Arbeiter am Ende des 20. Jahrhunderts‹, nimmt Hayns Film eine radikal subjektive Perspektive ein. Wir sehen den Filmemacher in seiner Studentenwohnung beim Verlesen eines Texts über den Wert industrieller Produktion, künstlerischer Arbeit und menschlicher Körper.

Kevin J. Everson (anwesend): Company Line
(USA 2009, 38 Min., Deutschlandpremiere)
In ›Company Line‹, der erstmals in Deutschland zu sehen ist, begleitet Everson den städtischen Schneeräumdienst von Mansfield, Ohio auf seinen nächtlichen Fahrten durch die schwarzen Arbeiterviertel. Stück für Stück erschließt er uns die Geschichte ihrer Bewohner.

17 Uhr Filmprogramm

Vincent Meessen (anwesend):
N12°13.062'/ W 001°32.619' Extended (B/BF 2005, 8’30" Min.)
Vita Nova (B 2009, 26 Min., Deutschlandpremiere)
Vincent Meessens Videos bedienen sich dokumentarischer Traditionen und überführen sie in eine eigenwillige, poetisch dichte Bildsprache. Zentraler Bezugspunkt vieler seiner Arbeiten sind die europäische Kolonialgeschichte und ihre Nachwirkungen im heutigen Afrika. Meessen wird vor Ort sein, um neben seinem wohl bekanntesten Werk, ›N12°13.062'/ W 001°32.619' Extended‹, erstmalig in Deutschland auch eine neue Videoarbeit zu präsentieren. ›Vita Nova‹ setzt sich mit den kolonialen Spuren in Leben und Werk des französischen Theoretikers Roland Barthes auseinander. Meessen wird ausführlich über seine Arbeiten und ihre Hintergründe sprechen. (in englischer Sprache)

19 Uhr Filmprogramm

Jean-Pierre Gorin: Poto and Cabengo
(USA 1978, 76 Min.)
Jean-Pierre Gorin begibt sich in seinem Filmessay auf die Spuren von zwei Zwillingsschwestern im kalifornischen San Diego, deren ungewöhnliches Sprachverhalten in den 1970er Jahren das lebhafte Interesse von Wissenschaft und Medien auf sich zog: Virginia und Grace Kennedy hatten in ihren frühen Lebensjahren eine eigene, nur ihnen verständliche Sprache entwickelt. Ihr Einzelfall wird für Gorin zum Ausgangspunkt einer ebenso kritischen wie persönlichen Reflexion über Sprache, Identität und die Grenzen gesellschaftlicher Integration.

21 Uhr Filmprogramm

Johan van der Keuken: Het Leesplankje
(NL 1973, 10 Min.)
Die ersten Leseübungen sind oft einfache Zuordnungen von Wörtern und Bildern. Johan van der Keuken greift diese traditionelle schulische Lerntechnik als strukturierendes Prinzip für seinen Film auf, ersetzt aber nach und nach die ursprünglichen Illustrationen mit Bildern aktueller politischer Ereignisse.

Johannes Maier (anwesend): The Interpreters
(GB 2009, 20 Min.)
Johannes Maier lässt die Dolmetscher der Europäischen Kommission in Brüssel auf ungewohnte Weise zu Wort kommen. Er lädt sie ein, miteinander über ihre Arbeit zu diskutieren und sich dabei gegenseitig zu dolmetschen. Persönlicher Ausdruck und vermittelndes Sprechen geraten dabei zunehmend in Konflikt.

Phil Collins: zasto ne govorim srpski (na srpskom)
(GB/Kosovo 2008, 35 Min.)
Phil Collins’ dokumentarische Arbeit nähert sich behutsam der Frage nach Sprache und Identität im Licht traumatischer Ereignisse. Kosovaren berichten auf Serbisch von den Ereignissen, die diese Sprache für sie zu einer unaussprechlichen gemacht haben.

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FREITAG 28.05. 20.00 Uhr
SAMSTAG 29.05. 13.00 Uhr
KARTEN gelten für beide Veranstaltungstage
VVK 15 € / erm. 7 € (inkl. VRR-Ticket)
AK 17 € / erm. 9 € (inkl. VRR-Ticket)

Tagestickets nur an der Abendkasse:
10 € / erm. 8 €

Mit Eis, Grillen und Musik.